ICH HABE EINE SCHE… ANGST

sagt er und dann ist es still. Irgendwie hat er die Worte über die Lippen gebracht, dann zieht sich sein Hals zu und er sucht zitternd irgendwo Halt für seine Hände. Es ist raus, es gibt kein Zurück aber auch keine Maskerade mehr. Der Kampf gegen die Angst ist vorbei.

Ich stehe da, sehe ihn und spüre wie auch mir Tränen in die Augen steigen. Mitgefühl – mein Körper erinnert sich an alte Zeiten. Alles darf sein. Ich atme tief ein und spüre, wie ich mich aufrichte. Jetzt ist nicht die Zeit für Mitleid. Ich setze mich zu ihm und bin einfach da – kein Wort nur da sein.

Nachdem die Maske gefallen ist, sprudeln seine Worte einfach ohne Halt heraus. Als sei ein Staudamm gebrochen erzählt er all das, was so lange zurück gehalten worden war. Manches macht für mich keinen Sinn, ist zerrissen und bruchstückhaft, anderes ist ganz klar. Egal – es geht ja nicht darum, dass ich jetzt alles verstehe, es geht nur um ihn. Es geht um den Augenblick der Freiheit, alle Gefühle und Emotionen einfach zulassen zu dürfen. Nach einiger Zeit wird es ruhiger in ihm, ich höre zu, stelle Fragen und lasse ihn selbst den roten Faden durch seine Geschichte ziehen. 

Angst ist respektlos – sie schleicht sich von hinten an und macht vor niemandem Halt. Weglaufen ist keine Option. Du musst dich der Angst stellen, um ihr die Macht zu nehmen. 
Freiheit ist die Möglichkeit selber zu entscheiden, wie weit du gehst oder wie lange du still hältst und alles schluckst. Es gibt immer eine andere Wahl. Reiß die Mauern alter Überzeugungen ein und nimm deine Möglichkeiten wahr.