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Wenn die Sonne die Seiten wechselt

Das Bild zeigt Sonnenstrahlen, die durch die bunten Farben des Herbstwaldes schimmern. Man sieht auch den Waldweg, der hindurch führt.

Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Wie schön es riecht und wie warm sich die Sonne im Gesicht anfühlt – was für ein toller Herbsttag. 

Heute ist der Tag des Äquinoktium, die sogenannte Tag-und-Nachtgleiche. Den ganzen Tag schon scheint die Sonne, die ersten Bäume zeigen mit leuchtendem Rot unmissverständlich, dass es Herbst wird. So viele Trecker sind unterwegs und pflegen die Böden. Die Landwirte bereiten sich auf die Maisernte vor und beenden den Zyklus der Früchte. Altweibersommer in der Soester Börde und dem Sauerland. 

Dieses Jahr fällt der astronomische Herbstanfang auf den 22.Sep. Es ist der Moment, in dem an allen Orten auf der Erde der Tag genauso lang ist wie die Nacht. In ihrem höchsten Stand überquert die Sonne scheinbar den Äquator und bringt den Frühling auf die Südhalbkugel. Bei uns beginnt der Herbst und die Tage kürzer werden. 

Je weiter ich von der Haar ins Sauerland schaue, desto überzeugender wird die Kraft der Jahreszeit. Rot-gelbe Blätter bestimmen das Bild der Wälder. Man sieht förmlich, wie ein Baum nach dem anderen beschlossen hat, seine Lebenssäfte aus den Blättern zurückzuziehen. Überall fällt das Laub. Bäume, Sträucher und Pflanzen geben ihre Kraft in die Wurzeln, in den Schutz des Bodens. So ist der Herbst.

Herbst steht für Rückzug

Für uns scheint es, als würde sich auch die Sonne zurück ziehen. Doch das tut sie ja nicht. Sie stellt das Gleichgewicht auf der Erde her und bringt jetzt, in der zweiten Jahreshälfte, die Wärme auf die Südhalbkugel. Das ist der Ausgleich.

Bevor der Fortschritt uns Glühbirne, Kühlschrank und Computer brachte, haben wir – oder besser gesagt unsere Vorfahren, diesen Rhythmus auch gelebt. Es gab früher eine Zeit des Rückzugs und des Ausgleichs, bevor im März, mit der nächsten Tag-und-Nachtgleiche, der Frühling wieder erwachte. 

Fortschritt im Eiltempo

All dies ist ja nicht mal 100 Jahre her – o.k. die Glühbirne ist etwas älter aber bitte – das ist doch kaum mehr als ein Wimpernschlag auf dem Zeitstrahl der Evolution. Wundern wir uns wirklich, dass der Körper dieses Tempo nicht kann?  Fortschritt ist toll und er hat unser Leben verändert. Aber der Mensch bleibt Mensch und seine wahre Natur ist auch heute noch mit jenem Zyklus verbunden, der den Ausgleich braucht. 

Mut zum Ausgleich

Die Dunkelheit und Kälte im Winter sind kein Drama, auch wenn wir die Wärme und Sonne lieben. Die kalte Zeit mit kurzen Tagen ist die natürliche zweite Hälfte im Jahreskreis, in der Natur und für uns Menschen.

Trau dich, den Computer, die Glühbirne und das Handy öfter einmal auszuschalten. Wann hast du das letzte Mal die Stille im Raum knistern hören? Wann hast du das letzte Mal gefühlt, wie es deinem Körper geht? Wann hast du das letzte Mal eingeatmet?

Ich wünsche dir einen wunderschönen Herbst, mit sonnigen Tagen wie heute und ruhigen Abenden für deinen Rückzug und Ausgleich.

Herzlichst Deine Jutta

2 Kommentare

  1. Liebe Jutta, wenn ich Deine Zeilen lese und nochmal lese und nochmal, dann bekommt diese kommende Jahreszeit etwas besonderes. Dafür danke ich Dir, denn ich mag den Rückzug und Vergang gar nicht. Nun betrachte ich die Zeit mal anders….
    Herzlichst G. F.

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    • Wie schön liebe G.
      Ich kann dich gut verstehen, lange Zeit wollte ich mit all dem selber wenig zu tun haben. Heute kann ich dir sagen, dass ich wirklich extrem dankbar bin, das Geschenk der dunklen Jahreszeit annehmen zu können. Lass uns mal gespannt auf die Geschichten im Advent und zu den Rauhnächten warten, da wird sich noch manches Geheimnis lüften.
      Schön, dass dir meine Arbeit gefällt. Liebe Grüße. Jutta

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